1952 bis 1990

 

Man schrieb das Jahr 1952 als etwas geschah, was in der damaligen DDR kaum jemand für möglich gehalten hatte - Vieles, was nach der Zerschlagung des Dritten Reiches den Deutschen für immer versagt schien, wurde wieder erlaubt - sogar das Fliegen…! Allerdings musste man der neu gegründeten "Gesellschaft für Sport und Technik" (GST) beitreten. Dass es sich hierbei um eine paramilitärische Organisation handelte, interessierte zu dieser Zeit kaum Jemanden - es konnte anspruchsvoller Sport betrieben werden. Da alles in der GST nahezu kostenlos geboten wurde, war der Zulauf von Flugschülern und Flugschülerinnen groß. Ehemalige Wehrmachtspiloten, die den Krieg überlebt hatten, konnten als Ausbilder gewonnen werden und viele bis dahin vernachlässigte ehemalige Flugplätze begannen den Betrieb wieder aufzunehmen. Die benötigten Segelflugzeuge und die dazugehörende Technik, zwar noch Konstruktionen aus den Vorkriegsjahren, waren erstaunlicherweise auch wieder da.
So begann die wechselvolle Geschichte des Flugplatzes Auerbach mit einem Flugtag anlässlich seiner Eröffnung im September 1957. Der offizielle Flugbetrieb startete im Oktober des gleichen Jahres - zunächst allerdings mit Hacke, Schaufel und Spaten. Der Flugzeugpark bestand zunächst aus zwei Schulgleitern und zwei Übungssegelflugzeugen. Das Wohngebäude eines Bauernhofes wurde Verwaltung und Unterkunft, der Kuhstall wurde zur Werkstatt umfunktioniert. Die Kameraden wurden Meister im Improvisieren. Sie mussten mauern, zimmern, klempnern und ab und zu durften sie auch fliegen. Trotz dieser sprichwörtlichen Schinderei wuchs die Zahl der Flugschüler stetig und erreichte 1960 einen Stand von 120 Mitgliedern. Die Regie und Organisation hatte damals der Ellefelder Fluglehrer und ehemalige Wismut-Kumpel Wolfgang Strobel übernommen. Kontinuierlich erfolgte der weitere Flugplatzausbau durch die Wismut. Auch im Leistungs- bzw. Streckensegelflug verschafften sich die Vogtländer Respekt. Die Segelflieger-Elite der DDR traf sich hier zu Trainingslehrgängen, Flugzeugschlepp und Kunstflug erweiterten die fliegerische Ausbildung. Auerbach wurde zu einem Synonym des erfolgreichen DDR-Flugsports anfangs der 60er Jahre… Doch längst warf auch der Kalte Krieg seine Schatten. Was folgte waren Mauerbau und Grenzbefestigung zur BRD.
An einem Junimorgen 1962 flüchtete ein Mechaniker mit einem der Motorflugzeuge. Auerbach hatte sich damit den zweifelhaften Ruf erworben, der erste Flugplatz zu sein, von dem aus eine Republikflucht per Flugzeug stattgefunden hatte. Für die Flugsportler der DDR eine Katastrophe! Absolutes Flugverbot auf allen GST-Flugplätzen für viele Wochen, danach Höhenbeschränkungen, Streckenflüge waren nur noch Richtung Osten erlaubt und jeder Pilot wurde auf politische Zuverlässigkeit überprüft - für viele Talente bedeutete schon der Kontakt zur "Westverwandtschaft" das vorzeitige Aus. Die politische Abgrenzung ging weiter und 1979 wurde in der DDR eine "Militärische Indentifizierungszone" zwischen "Ost und West" festgelegt. Der Flugplatz Auerbach lag in dieser Zone, wurde über Nacht geschlossen und das endgültige Flugverbot verordnet. Was nun folgte war ein Trauerspiel - sämtliche Technik, Zubehör und Flugzeuge wurden abtransportiert, Flugzeuge teilweise verbrannt. Einige Fluglehrer und Schüler gingen nach Zwickau, andere gaben auf. Weiterhin geduldet wurde lediglich der Modellflug.

 

 

zurück zur Hauptseite